Vermögensverwaltung

Die Vermögensverwaltungsbranche befindet sich in einem Transformationsprozess. Verschiedene disruptive Kräfte wie innovative Technologien, wandelndes Marktverhalten und die stets wachsende nationale und internationale Regulierungsdichte, wirken gleichzeitig auf bestehende Geschäftsmodelle ein und stellen etablierte Finanzinstitute vor erhebliche Herausforderungen:

  • Die Kundenbasis wandelt sich. Einerseits übertreffen die wirtschaftlichen Wachstumsraten der Schwellenländer diejenigen der westlichen Länder, was zu einer überproportionalen Zunahme des UHNWI Kundensegmentes in diesen Märkten führt. Hinzu kommt die Übertragung der Vermögen an eine jüngere Generation mit neuen Wertvorstellungen über die nächsten 15 bis 35 Jahre.
  • Der steigende Wettbewerb setzt die Margen weiter unter Druck. Die Gewinnspannen verbleiben immer noch unter dem Vorkrisenniveau. Einsparungen bleiben infolge zunehmender Kosten, nicht zuletzt durch komplexere Compliance-Anforderungen und erhebliche Rückstellungen zur Bereinigung von Altlasten (US-Programm), ein schwieriges Unterfangen.
  • Die digitalen Innovationen schaffen neue Möglichkeiten, dem Kunden innovative Lösungen anbieten zu können und das Beratungserlebnis aufzuwerten. Gleichzeitig sorgen diese Entwicklungen zum Markteintritt von digitalen Start-ups und branchenfremden Unternehmen, welche den Druck auf die etablierten Vermögensverwalter und auf die klassische Vermögensverwaltung zusätzlich erhöhen.
  • Der verstärkte Fokus verschiedener Regulierungsbehörden auf den Kundenschutz und die Stabilisierung der Märkte stellen die Branche vor erhebliche Herausforderungen. Aus den neuen Anforderungen erwachsen jedoch auch Chancen für Vermögensverwalter, mit innovativen Konzepten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu schaffen und den eigenen Marktanteil zu erhöhen.
  • Der in Folge zunehmender Staatsverschuldung gestiegene Fokus der OECD-Staaten auf die Maximierung des Steuersubstrats und damit einhergehende Initiativen zu erhöhter Steuertransparenz, wie der Automatische Informationsaustausche (AIA) und weitere Rapportierungspflichten, setzen die traditionellen Offshore-Modelle stark unter Druck.

Um das eigene Geschäftsmodell erfolgreich für die Zukunft zu gestalten, sollten Institute der Vermögensverwaltungsbranche aus diesen Herausforderungen folgenden Prioritäten ableiten:

Wachstum:
Marktteilnehmer müssen die Märkte identifizieren in denen sie sich effizient dem Wettbewerb stellen und ihre Differenzierung herausstreichen können. Das Prinzip “Jeden Service, für alle Kunden, in allen geographischen Lokationen“ ist teuer und stellt aus organisatorischer Sicht eine grosse Herausforderung dar. Der Markteintritt in Volkswirtschaften mit hohen Wachstumsraten ist sehr attraktiv, bedingt aber die richtige strategische Vorgehensweise.

Rentabilität:
Vermögensverwalter müssen ihren Fokus auf das Kerngeschäft legen und ihren Wettbewerbsvorteil in diesem Bereich weiter ausbauen. Die Bereinigung von Geschäftsfeldern und Aktivitäten, welche nicht zu den Kernkompetenzen gehören, setzt Ressourcen frei die wiederum dem Kerngeschäft dienen.

Wertversprechen:
Der Dienstleistungsanspruch unserer Gesellschaft verändert sich. Mobilität, gesunkene Informationskosten und Interaktion durch soziale Medien generieren neue Kundenbedürfnisse. Mehr denn je müssen deshalb nachfrageorientierte Angebote geschaffen werden, um die Aufmerksamkeit und das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, respektive zu erhalten. Erfolgreich werden nur diejenigen Vermögensverwalter sein, welche es verstehen, das Kundenerlebnis aussergewöhnlich zu gestalten. Dies kann unter anderem durch zusätzliche digitale Dienstleistungen erreicht werden.

Preismodelle:
Zusätzliche Notwendigkeit für ein differenziertes Werteversprechen ergibt sich aus dem Verbot, respektive der Offenlegung von Drittzahlungen für Berater. Mit dem zunehmenden Wegfall der Drittzahlungen als Einkommensquelle sind alternative, direkte Preismodelle (Price for Advice) gefordert. Kostenerhöhungen werden von Kunden jedoch nur akzeptiert, wenn der Mehrwert der Dienstleistung klar ersichtlich ist und der Kundenutzen eindeutig vermittelt werden kann.

Regulierung:
Im Anschluss an die jüngsten regulatorischen Entwicklungen sollten die Marktteilnehmer zukünftig versuchen, operative Unregelmässigkeiten zu verhindern, welche zu weiteren, zusätzlichen Regulierungen führen würden. Vermögensverwalter sollten ein nachhaltiges Betriebsmodell sicherstellen, welches im Einklang mit dem Kundenschutz steht sowie das notwendige Maß an Transparenz gewährleistet. Marktteilnehmer die es verstehen, die den Regulierungen zugrundeliegenden Prinzipien in ihre strategische Entwicklung und Ausrichtung zu integrieren sowie gleichzeitig Flexibilität bewahren, sind bestens positioniert, um zusätzliche Wettbewerbsvorteile zu identifizieren und zu nutzen.

Standorte und Plattformen:
Grenzüberschreitende Geschäftsmodelle bewegen sich in einer unübersichtlichen Landschaft von Regeln und Vorschriften mit teilweise korrelierenden rechtlichen Risiken für Vermögensverwalter. Dies führt zu einer hohen Komplexität operativer Prozesse. Um die Nachfrage wohlhabender Kunden aus den Schwellenländern für Buchungsplattformen in der westlichen Welt zu decken, ist eine klare Strategie hinsichtlich der operativen Flexibilität und technologischen Integration der Plattformen und Systemlandschaften gefordert. Nur so sind die rechtlichen Risiken im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft vernünftig handhabbar.

Die notwendigen Anpassungen an die neuen Realitäten der Vermögensverwaltung sind herausfordernd. Marktteilnehmer sehen sich mit verschiedenen komplexen Fragestellungen konfrontiert. Wir unterstützen unsere Kunden in sämtlichen Phasen ihres Transformationsprozesses.

Wichtige Regulatorien für Vermögensverwalter umfassen:

FIDLEG/ FINIG
FIDLEG/ FINIG

Primäres Ziel des Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG) und des Finanzinstitutsgesetzes (FINIG) ist es, in der Schweiz den Kundenschutz zu stärken, die Wettbewerbsverzerrungen zwischen Anbietern zu minimieren und die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz zu stärken.

Das FIDLEG regelt die Beziehung der Finanzintermediäre zu ihren Kunden. So müssen Finanzintermediäre bei der Anlageberatung die nötigen Informationen über die finanzielle Situation ihrer Kunden einholen, wie auch deren Kenntnisse und Erfahrungen mitberücksichtigen. Des Weiteren muss für jedes Finanzinstrument ein „Basisinformationsblatt“ ausgehändigt werden, welches dem Kunden in verständlicher Weise einen transparenten Produktevergleich und damit eine fundierte Anlageentscheidung ermöglichen soll.

Das FINIG sieht eine differenzierte Aufsichtsregelung für Finanzinstitute (Vermögensverwalter, Verwalter von Kollektivvermögen, Fondsleitungen und Wertpapierhäuser) vor. Die wesentliche Neuerung ist die prudenzielle Aufsicht der Vermögensverwalter individueller Kundenvermögen, der Vermögensverwalter von Vorsorgeeinrichtungen sowie der Trustees.

Am 4. November 2015 hat der Bundesrat die Botschaft zum FIDLEG und FINIG verabschiedet. Mit einem Inkrafttreten wir Anfang 2018 gerechnet.

FinfraG
FinfraG

Das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG) reguliert weite Teile des OTC Derivathandels und der Finanzmarktinfrastrukturen, es schafft Transparenz und reduziert operationelle sowie Kreditrisiken. Jene Systemrisiken, welche zu der Finanzkrise im Jahre 2008 beigetragen haben, sollen reduziert werden. FinfraG folgt den am G20 Gipfel von Pittsburgh im September 2009 von den teilnehmenden Staaten global vereinbarten Prinzipien und ist damit, was die Regulierung des Derivathandels betrifft, vergleichbar mit der amerikanischen Dodd-Frank-Regulierung und EU-Verordnung EMIR (European Markets Infrastructure Regulation). FinfraG ersetzt in grossen Teilen das BEHG (Bundesgesetz über die Börsen- und den Effektenhandel). Am 20. August 2015 wurde die Anhörung der FinfraG-Verordnung (FinfraV) eröffnet, welche bis zum 2. Oktober 2015 andauerte. Somit liegen nun die Details der Implementierung vor (Schwellenwerte für kleine (nicht-)finanzielle Gegenparteien, Risikominderungspflichten). Die FINMA hat ebenfalls die Verordnung FinfraV-FINMA als Bestandteil der FinfraV-Anhörung veröffentlicht. Kernpunkte des FinfraV-FINMA sind unter anderem die Aufzeichnungs- und Meldepflicht für den Effektenhandel, die Kriterien für abzurechnende OTC-Derivate und das Offenlegungs- und Übernahmerecht.

MiFID II
MiFID II

Seit seiner Einführung 2007 war die Markets in Financial Instruments Directive (MiFID) der Eckpfeiler der Europäischen Finanzmarktregulierung. Die Einführung der MiFID hat jedoch nicht alle anvisierten Vorteile für die Investoren erreicht resp. sind diese nicht so beim Investor angekommen, wie das ursprünglich vom Regulator vorgesehen war. MiFID II hat deshalb zum Ziel, die Mängel der ursprünglichen MiFID zu beheben und die Lehren, die aus der Finanzkrise gezogen worden sind, umzusetzen. MiFID II verfügt über mehrere Kernziele, einschließlich:

  • Erhöhter und transparenterer Anlegerschutz
  • Anforderungen an die Governance und Organisation
  • Stärkung des Wettbewerbs sowie der Transparenz auf den Finanzmärkten
  • Ausweitung und Erhöhung der Aufsichtsbefugnisse auf nationaler und europäischer Ebene
  • Regelung des Marktzutrittes für Wertpapierfirmen aus Drittstaaten
MiFIR
MiFIR

Die Markets in Financial Instruments Regulation (MiFIR) enthält Anforderungen, die im Gegensatz zur MIFID II in den Mitgliedstaaten der EU direkt zur Anwendung kommen. Damit erzeugt die Regulierung eine direkte Auswirkung auf sämtliche Handelsplattformen und Wertpapierfirmen, deren Handelsprozesse und Systemlandschaften. Die Themenschwerpunkte stellen sich wie folgt dar:

  • Regulierung sämtlicher Ausführungsplattformen (regulierte Märkte, Multilaterale– und Organisierte Handelssysteme, Systematische Internalisierer)
  • Erweiterte Vor- und Nachhandelstransparenz
  • Handelsplatzpflicht für gewisse Aktien und Derivate
  • Anwendbarkeit und Informationsgehalt von Transaktionsmeldungen

MiFIR soll dazu beitragen, Unregelmässigkeiten im Funktionieren der Märkte sowie die Möglichkeit der Aufsichtsarbitrage zwischen den Mitgliedstaaten zu vermeiden. Insbesondere die erhöhten Transparenzvorschriften, vereinheitlichte Regeln für Marktzutritt und Handelsplatzpflichten haben die Sprengkraft, die Funktionsweise der Handelsströme in den kommenden Jahren grundlegend zu verändern.

PRIIPs
PRIIPs

Zentraler Bestandteil der neuen europäischen PRIIPs-Verordnung (Packaged retail and insurance-based investment products) ist die Einführung von Basisinformationsblättern (Key Information Documents – KID‘s) für bestimmte Anlageprodukte für Kleinanleger. Ziel ist es, den Anlegerschutz zu stärken und mehr Transparenz für die Kleinanleger zu schaffen. Die Vorschriften sind ab dem 31. Dezember 2016 in allen Mitgliedstaaten der EU direkt anwendbar. Die drei europäischen Aufsichtsbehörden EIOPA, EBA und ESMA (European Supervisory Authorities – ESA‘s) müssen der Europäischen Kommission bis 31. März 2016 Technische Regulierungsstandards vorlegen, die im Detail spezifizieren, wie die einzelnen Basisinformationen in den KID’s darzustellen sind.

An dieser Stelle möchten wir auch auf unser Publikation zu PRIIPs aufmerksam machen. Wir geben in dieser Broschüre einen kurzen Überblick über die wichtigsten Punkte des Basisinformationsblattes und gehen auf einige Herausforderungen bei deren Produktion und Verteilung ein.