Kapitalmarkt

Die seit der Finanzkrise anhaltenden wirtschaftlichen Turbulenzen, die daraus resultierenden regulatorischen Entwicklungen sowie die rasanten technologischen Fortschritte fordern einen Wandel im Kapitalmarktsektor. Kapitalmarkteilnehmer stehen dabei vor grundlegenden Herausforderungen:

  • Institutionelle Investoren, Hedge Funds und grosse Vermögensverwalter gehen zunehmend dazu über, eigene quantitative Spezialisten sowie Research-Abteilungen aufzubauen, wodurch das traditionelle Dienstleistungsspektrum der Broker (Broker-Research-Modell) in Frage gestellt wird.
  • Seit der Finanzkrise wird das Over-the-Counter Geschäft (OTC) von der Politik infolge Intransparenz und fehlender Sicherheiten als Risiko wahrgenommen. Im Rahmen der G20 wurden deshalb verschiedene Massnahmen beschlossen, die das Risiko des OTC Geschäftes minimieren sollen. Erhöhte Anforderungen an die zu hinterlegenden Sicherheiten blockieren Kapital. Die Zentralisierung des Handels, Clearings und Reportings sowie die Migration der Handelsströme auf regulierte Plattformen erhöhen die Transparenz. Beides wird sich wahrscheinlich negativ auf die Gewinnmargen auswirken.
  • Die sich rasch verändernde Regulierungslandschaft fordert eine Umstrukturierung, um den wachsenden regulatorischen Anforderungen zu entsprechen. Neue Reportingpflichten sowie erweiterte Vor- und Nachhandelstransparenz stellen die oft fragmentierten respektive in Produktesilos organisierten Systemlandschaften vor erhebliche Herausforderungen.
  • Um Wachstum erzielen zu können, müssen sich Markteilnehmer entscheiden, auf welche Kerngeschäfte sie ihren Fokus legen wollen und welche Einheiten abgestossen werden sollten. Dieser Prozess wird verstärkt durch das geforderte Deleveraging in der Branche.
  • Der regulatorische Druck zur Veränderung von Vergütungsmodellen führt bei hoch talentierten Mitarbeitenden zu einer Abkehr von klassischen Sell-Side Firmen. Um mit dem wachsenden Wettbewerb im Talentmarkt mitzuhalten, müssen Kapitalmarktfirmen innovative Vergütungsmodelle eruieren, um ihre Attraktivität zu erhalten.

Um einen langfristigen Erfolg zu gewährleisten, sollten Kapitalmarktfirmen ihre bestehende Strategie ganzheitlich überdenken und eine Umgestaltung ihrer Geschäftsprozesse und Geschäftsstrategie initiieren. Einen solchen Transformationsprozess kann eine Chance für neue Geschäftsfelder sein. Folgende Grundprinzipien können insbesondere im aktuellen regulatorischen Transformationsprozess als erfolgreiche Parameter dienen:

  • Finanzinstitute sollten bedenken, dass die verschiedenen Regulierungen zeitgleich einen grossen Einfluss auf künftige Industriestandards und die Funktionsweise des Kapitalmarktes haben werden.
  • Regulatorische Projekte sollten nicht ausschliesslich als Compliance-Übung betrachtet werden. Bei der Übersetzung regulatorischer Anforderungen in das Betriebsmodell sollte das zukünftige Geschäftsmodell stets mitberücksichtig werden, um «sunk costs» zu vermeiden.
  • Um den Überblick über die verschiedenen regulatorischen Entwicklungen zu behalten, sollte ein System entwickelt werden, welches laufend die Kernimplikationen für das eigene Geschäftsmodell evaluiert, um so kompetitive Vorteile frühzeitig zu erkennen und die eigenen Geschäftsprozesse daran auszurichten.

Wir unterstützen Sie gerne bei der konzeptionellen Erarbeitung und operativen Durchführung notwendiger Transformationsprozesse um ihr Betriebsmodell auf das dynamische und schnelllebige regulatorische Umfeld auszurichten. Kontaktieren Sie uns für weitere Informationen sowie massgeschneiderte Lösungen.

Wichtige Regulatorien für Teilnehmer am Kapitalmarkt umfassen:

CRR/ CRD IV
CRR/ CRD IV

Die Kapitaladäquanzverordnung und –richtlinie (CRR/ CRD IV) traten im Hinblick auf die Umsetzung von Basel III am 1. Januar 2014 in den EU Mitgliedstaaten in Kraft. CRR/CRD IV zielen primär auf eine einheitliche Eigenmittelausstattung von EU Banken ab.

Ein weiteres Thema sind die Corporate Governance-Vorschriften, bspw. wird eine intensivere Überwachung der Risiken durch die Geschäftsleitung und die Verwaltungs- oder Aufsichtsräte gefordert.

MiFIR
MiFIR

Die Markets in Financial Instruments Regulation (MiFIR) enthält Anforderungen, die eine direkte Auswirkung auf sämtliche Handelsplattformen und Wertpapierfirmen, deren Handelsprozesse und Systemlandschaften haben. Die Themenschwerpunkte stellen sich wie folgt dar:

  • Regulierung sämtlicher Ausführungsplattformen (regulierte Märkte, Multilaterale– und Organisierte Handelssysteme, Systematische Internalisierer)
  • Erweiterte Vor- und Nachhandelstransparenz
  • Handelsplatzpflicht für gewisse Aktien und Derivate
  • Anwendbarkeit und Informationsgehalt von Transaktionsmeldungen

MiFIR soll dazu beitragen, Anomalien im Funktionieren der Märkte sowie die Möglichkeit der Aufsichtsarbitrage zwischen den Mitgliedstaaten zu vermeiden. Insbesondere die erhöhten Transparenzvorschriften, vereinheitlichte Regeln für Marktzutritt und Handelsplatzpflichten haben die Sprengkraft, die Funktionsweise der Handelsströme in den kommenden Jahren grundlegend zu verändern.

FinfraG
FinfraG

Das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG) reguliert weite Teile des OTC Derivathandels und der Finanzmarktinfrastrukturen, es schafft Transparenz und reduziert operationelle sowie Gegenparteirisiken. Jene Systemrisiken, welche zu der Finanzkrise im Jahre 2008 beigetragen haben, sollen reduziert werden. FinfraG folgt den am G20 Gipfel von Pittsburgh im September 2009 von den teilnehmenden Staaten global vereinbarten Prinzipien und ist damit, was die Regulierung des Derivathandels betrifft, vergleichbar mit der amerikanischen Dodd-Frank-Regulierung und EU-Verordnung EMIR (European Markets Infrastructure Regulation). FinfraG ersetzt in grossen Teilen das BEHG (Bundesgesetz über die Börsen- und den Effektenhandel). Am 20. August 2015 wurde die Anhörung der FinfraG-Verordnung (FinfraV) eröffnet, welche bis zum 2. Oktober 2015 andauerte. Somit liegen nun die Details der Implementierung vor (Schwellenwerte für kleine (nicht-)finanzielle Gegenparteien, Risikominderungspflichten).

Die FINMA hat ebenfalls die Verordnung FinfraV-FINMA als Bestandteil der FinfraV-Anhörung veröffentlicht. Kernpunkte des FinfraV-FINMA sind unter anderem die Aufzeichnungs- und Meldepflicht für den Effektenhandel, die Kriterien für abzurechnende OTC-Derivate und das Offenlegungs- und Übernahmerecht.